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Ich sehe!

es ist sehr früh und ich schreibe diese Zeilen mit meinen gefeilten Augen. Unglaublich, ich bin hin und weg. Ich will kurz meine Erfahrung niederschreiebn, die Brillenschlangen unter euch interessiert das bestimmt :-)

Dienstag, 22.8.2006, 11:00
Die Fahrt zum ca. 10 km entfernten Ataköy geht los. Das Taxi hat auf meiner Seite keine Fensterkurbel. Die Hitze (ca. 33 °C) staut sich. In der Klinik angekommen gehe ich schon die vertrauten Wege. Der Tag davor mit der Voruntersuchung brachte einen guten Überblick. Im ersten Stock ist mein Termin um 11:45.
Es ist jetzt 11:35. Die Empfangsleute geben mir noch einen Wisch in die Hand, den ich unterschreiben soll. Ein paar Punkte worauf ich nach der OP achten soll (24 Stunden keine Wasser an die Augen, nicht reiben, …). In dem Moment während ich lese kommt mein Onkel mit seinem Kollegen. Die beiden sind die ganze Zeit bei mir. Der Herr am Empfang meint zwischenzeitlich, dass ich zu früh wäre, der Termin ist um 14:30. Bei mir ??????? Er schickt mich zu den Damen, die mit mir den Termin vereinbart haben. Die hätten mich gestern auf dem deutschen Handy angerufen und ich hatte die türkische Nr an (plöd).
Na ja – also wollte mein Onkel erst mal was futtern gehen. Einen Lammsandwich und eine Stunde später saßen wir noch ne Weile in der Klinikcafeteria. Mein Onkel wollte noch ein kleines Nickerchen machen, also setzten wir uns vor einen Riesenplasmascreen auf gemütliche Sofas. Irgendwann gegen 13:30 ging das Basketballspiel Türkei-Brasilien los. Ein guter Zeitvertreib.

Um 14:35 holte mich dann die Dame vom Empfang ab und ich kam in den OP-Bereich. Wieder Sofas und ein etwas kleinerer Plasma. Der Stand interessierte mich zwar überhaupt nicht, aber jede Ablenkung war willkommen (45:46).

14:40 Ein Mann brachte mich in einen Zwischenraum und bekleidete mich mit Haardings, Schuhtüten und sonem Halbkleid. Ein paar Augentropfen zur Betäubung und ich saß wieder ein paar Minuten rum.

14:45 Ein paar Schwestern huschten in den angeschlossenen Raum. Eine bat mich dann rein. Mein Brille war zwischenzeitlich schon weg, so dass alles schemenhaft zu sehen war (mein Dioptrien ist übrigens -6.0 auf beiden). Die Ärztin saß hinter einer Art Roboter und ich legte meinen Kopf darunter. Die Schwestern reinigten und präparierten meine Augen. Ich blickte auf ca. 10 Lichter kreisförmig gereiht. In der Mitte ein Scheibe und dahinter wohl ein Laser. Eine Klammer hielt jetzt die Augenlider auf. Ich verspüre keinen Schmwerz. Dann kam der schwierige Teil der OP. Dieses Ding wurde auf mein Auge gepresst. Es tut ein wenig am Rand weh, das Ding presst auf die Knochen. Ich soll auf eine bestimmten Punkt schauen. Dann höre ich ein Klacken. Sie meint es wird mir Schwarz vor dem Auge. Es stimmt. Das vergeht. Ca. 50 Sekunden später hebt sich das Dings und die gleiche Prozedur wird am anderen Auge gemacht. Nun soll ich aufstehen und gehe in einen Zwischenraum. Ich sehe nun mit einem Schleier.
Ich lege mich wieder unter ein Gerät. Auf mein Auge wird eine Plastikfolie geklebt. Der Ausschnitt für das Auge selbst wird abgezogen. Die Ärztin spricht mit ihren Kolleginnen über andere Kollegen und sind froh über die OP-Bedingungen. Es herrschen nämlich angenehme 23 °C. Im Hintergrund läuft Radiogedudel. Ich sehe die Lichter über mir hinter einem Schleier. Jetzt gehts los sagt mir die Ärztin. Ich starre auf ein rotes Licht. Dann kommt ein Surrgeräusch und es riecht ganz leicht nach Verbranntem. Ich soll still halten. Nach ca. 30-60 Sekunden ist es vorbei. Das zweite Auge dauert genauso lange. Die Ärztin: “In Antalya sind so viele Russen. Es sind überhaupt keine türkischen Urlauber mehr dort.” Dann sagt sie zu mir, dass es vorbei ist und die OP erfolgreich lief. Ich empfehle ihr: “Fahren Sie nach Ayvalik!”. Sie l°Chelt. Ich erkene das L°Cheln hinter dem Augenschleier. Ich werde in den Vorraum geführt, wo ich die AUgen zuhalten soll. Es sind noch 5 weitere Patienten im Raum. Die letzten Minuten des Spiels laufen. Es steht 71:69 für die Türkei. Alle versammeln sich vor den Plasma. Wir Patienten blinzeln ab und zu – ich erkenne die Ziffern. Es sind noch 20 Sekunden bis zum Spielende. Noch 2 Freiwürfe. Brasilien wirft daneben! Türkei gewinnt 73:71. Wir werden zur Nachuntersuchung aufgerufen. In einem kleinen Raum empfängt uns die Ärztin und bestätigt allen eine erfolgreiche OP nachdem sie mit einem Licht das Auge abscannt. Das Licht sticht. Dann gehen wir (ohne gefürt zu werden) zu unseren Angehörigen. Mein Onkel sieht mich an und ich erkenne das Strahlen auf seinem Gesicht.

15:45
Wir fahren ins Hotel. Auf der Fahrt hab ich die Sonnenbrille an und verdecke mein Gesicht mit dem Capy. In das hotel fährt mich mein Onkel. In das Zimmer gehe ich allein die Treppe hoch. Tine empfängt mich. Ich lege mich hin. Langsam fängt es an zu stechen. Ganz leicht.

16:30
Die ersten Tropfen kommen in die Augen. 3 Verschiedene. Das eine Medikament nehme ich 1 Woche, das zweite 10 Tage und letzteres (künstliche Augentropfen) 1 Monat.

17:00
Ich kann die Augen kaum öffnen. Die Augenlider sind sehr schwer. Der Raum ist abgedunkelt.

17:30
Die n°Chste Runde Tropfen. Es brennt leicht und das Stechen wird intensiver.

18:00
Ich versuche die Augen zu öffnen. Der Schleier ist noch da.

18:30
Noch eine Runde Tropfen. Ich werde müde und es tut weh. Ich schlafe ein wenig.

19:30
Diese Runde Tropfen tut gut. Das Schlafen hat was gebracht. Es sticht nur noch ganz leicht. Sie sind sehr lichtempfindlich. Lampen, Leuchten haben einen Lichthof, wie ein Heiligenschein. Wir gehen auf der Terrasse was essen. Direkt vor uns die HagiaSophia.

22:30
Nach ein paar Runden Tropfen und 2 Folgen O.C. schlafen wir. Ich muss mich bemühen nicht auf dem Bauch zu schlafen. Es dürfen 24 Stunden kein Wasser und kein Reiben ans Auge kommen!

Mittwoch, 23.8.2006, 6:30
Wundervoll. Ich wache auf und ich kann alles deutlich erkennen. Der Schleier ist immer noch da, aber das war zu erwarten. Ich gehe ins Bad. Ich sehe mich im Spiegel – deutlich! Uff…

8:50
In der Klinik gibt es die erste Nachuntersuchung. Ich treffe die Patienten von gestern. Alle gl°Cklich! Ich auch. Die Ärztin bestätigt mir die gute OP. Es schaut sehr gut aus. Am Freitag gibt es noch mal eine.

9:50
Wir gehen in die nahe gelegene Galleria. Eine Shopping-Mall. Einen Kaffee später kaufen wir uns zur Feier des Tages mavi-Jeans. :-)

13:00
Wir relaxen im Hotel.
Im Moment habe ich nur noch den leichten Schleier. Es pieckst ab und zu. Es ist so, als ob man zu lange Linsen drin hat. So#n leichter Schmierfilm…

Ich berichte weiter!

Das letzte Foto mit Brille:

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